Phil und Ross Glauben zu Besuch an der FOSBOS Schwandorf

Phil und Ross Glauben, Sohn und Enkel des Holocaustüberlebenden und Zeitzeugen Max Glauben, kamen am 25.04.2022 im Rahmen eines Angehörigengesprächs an die FOSBOS Schwandorf, um mit Schülerinnen und Schülern der B12T und B12W über die Geschichte ihres Vaters und die Zeit des Holocaust zu sprechen. Nachdem Max Glauben die beschwerliche Reise von Dallas nach Flossenbürg zur 77. Befreiungsfeier des KZ Flossenbürg im Alter von 96 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mitzumachen im Stande war, war es für Sohn und Enkel eine Ehre, die Arbeit von Max fortzusetzen. Bereits dreimal sprach Max Glauben in den vergangenen Jahren mit Schülerinnen und Schülern der FOSBOS Schwandorf über seine Erlebnisse.

Das Leben im Warschauer Ghetto

Eindringlich schildert der Sohn den anwesenden Schülerinnen und Schülern, wie sich das Leben seines im Jahr 1928 geborenen Vaters in der jüdischen Gemeinde in Warschau nach dem Überfall der Wehrmacht 1939 geändert hat. Das Leben im Warschauer Ghetto, in das alle Juden zwangsumgesiedelt wurden, ist katastrophal. Zehntausende Menschen sterben an Hunger, Krankheiten oder fallen den Terrormaßnahmen der deutschen Besatzer zum Opfer. Durch die Arbeit für einen Ghettobetrieb bekommt der junge Max Glauben zwar Zugang zu Lebensmitteln, die jedoch nie ausreichen, um satt zu werden. Deshalb schmuggelt Glauben für seine Familie Lebensmittel ins Ghetto. Als bekannt wird, dass immer mehr Juden in die umliegenden Vernichtungslager deportiert werden, organisieren die verzweifelten und todgeweihten Bewohner im April 1943 einen bewaffneten Aufstand, den die Deutschen erst einen Monat später vollständig niederschlagen können.

Die Konzentrationslager

Die Familie Glauben wird in das Vernichtungslager Majdanek deportiert, wo sich die Spur der Mutter und seines kleineren Bruders für immer verliert. Max und sein Vater werden in das Außenlager Budzyn verschleppt, sein Vater wird bald darauf von der SS ermordet. Aufgrund seiner technischen Fertigkeiten wird Max Glauben im August 1944 in das Konzentrationslager Flossenbürg überstellt, wo er für die Firma Messerschmitt Flugzeugteile fertigen muss und in der sogenannten Kinderbaracke untergebracht wird. Nach der Auflösung des Lagers im April 1945 schickt ihn die SS auf einen Todesmarsch Richtung Dachau, aus dem ihn einige Tage später in der Nähe von Cham die amerikanische Armee befreit. 1947 wandert Glauben nach Amerika aus, wo er heiratet, eine Familie gründet und drei Kinder haben wird.

Umgang mit dem Entsetzlichen

In ruhiger, klar verständlicher englischer Sprache trägt Phil Glauben das von seinem Vater erlebte Grauen vor. Mit anschaulichen Bildern versteht er es dabei, seine jugendliche Zuhörerschaft schnell in seinen Bann zu ziehen. Es ist ganz leise. Man merkt, dass die anwesenden Schülerinnen und Schüler nachdenklich gestimmt sind. Das Gespräch wird sehr persönlich, als Phil und Ross gefragt werden, was es bedeute, einen Vater und Großvater zu haben, der den Holocaust überlebt hat. Ross, der Enkel, schildert darauf hin, dass er Max in erster Linie als seinen Großvater und nicht als Überlebenden der Shoa empfunden habe. Ihm sei erst später bewusstgeworden, dass sie alle heute nicht hier wären, hätte Max als sechzehnjähriger Junge die Lager nicht überlebt.

Das Vermächtnis des Vaters

Am Ende appellierte Phil an die Schülerinnen und Schüler, couragiert zu sein, ein „Upstander“ zu sein und den Verstand einzusetzen: „Das Übel des Hasses ist wie eine Krankheit, dagegen muss ein Heilmittel gefunden werden. Leute auf die Grausamkeit der Zeitgenossen aufmerksam zu machen, kann ein solches Heilmittel sein. Die Lösung ist, die anderen Menschen so zu behandeln, wie man selber gerne behandelt werden möchte. Denn der Hass fällt auf den zurück, von dem er kommt.“

Sein Vater habe tiefe Dankbarkeit empfunden dafür, dass er überleben konnte und in einem freien Land wohnen zu dürfen. Dafür fühlt sich nun sein Sohn verpflichtet, den Auftrag an künftige Generationen weiter zu geben, die Geschichte seines Vaters zu erzählen, ohne Hass zu erzeugen.

Ralf Krinner

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